ARINA TANEMURA // INTERVIEW
Pressekonferenz mit Arina Tanemura und Isaho Ohashi , Redakteur von Ribon
Frau Tanemura, seit wann zeichen Sie Manga?
A.T.: Ich zeichne schon, seit ich ganz klein war. Allerdings habe ich nicht im Mangastil gezeichnet, bis ich in die elfte Klasse ging. Richtig zu Manga gekommen bin ich, als mich ein Mädchen aus der Verwandtschaft bat, mir doch eine bestimmte Figur auszudenken. So kam ich dazu eine Geschichte zu einem Wettbewerb des Magazins Ribon einzuschicken. Dort gewann ich dann einen Preis und bin so zur Profizeichnerin geworden.
Herr Ohashi, ist es in Japan normal, dass manche Zeichner bereits mit 18 Jahren ihre ersten Mangas rausbringen?
Isaho Ohashi: Bei uns in der Ribon sehen wir das so: Unser Publikum ist relativ jung. Unsere Lesergruppe reicht von Grundschülerinnen bis zu Frauen Ende 20. Unsere Hauptlesegruppe geht noch in die Mittelstufe. Diese Leser möchten natürlich auch Geschichten von jungen Zeichnern lesen. So sind Debüts mit 18, ja teilweise sogar mit 16 Jahren nichts Unnormales mehr.
Frau Tanemura, was gibt Ihnen die Inspiration zum Zeichnen für Ihre Geschichten? In ihren Werken tauchen ja auch viele europäische Motive auf.
A.T.: Ja, europäische Architektur finde ich sehr inspirierend, auch wenn ich nicht immer sicher bin, dass ich alles richtig zeichne. Ansonsten finde ich es sehr schwierig zu sagen, was mich inspieriert, das können ganz unterschiedliche Dinge sein.
Wie kamen sie beispielsweise zu der Idee zu Kamikaze Kaito Jeanne ?
A.T.: Das Genre, in dem Jeanne angesiedelt ist, ist in Japan sehr populär. Und da ich sowohl das Genre als auch die Geschichte der Jeanne d'Arc mag, habe ich beide miteinander verbunden und so Jeanne erschaffen.
Und woher kam die Inspiration für das Klassensystem in Shinshi Doumei Cross ? Und auf wieviele Bände wird sich die Geschichte erstrecken?
A.T.: Ich möchte SDC gerne so lange zeichnen, wie das möglich ist. ( grinst in Richtung Ohashi-san ) Natürlich haben der Verlag und auch die Ribon großen Einfluß darauf. Aber Ideen habe ich noch einige. ( lacht ) Die Inspiration für das Klassensystem in SDC kommt tatsächlich aus Flugzeugen mit der Economy- und Businnes-Class.
Haben sie Tipps für junge Mangaka?
A.T.: Ich empfehle für die Storyentwicklung und den Inhalt der Geschichten, sich immer möglichst viele Geschichten auszudenken. Man lernt dann recht gut, was sich umsetzen läßt und sammelt so Erfahrung. Bei den Zeichnungen sollte man langsam anfangen. Wichtig ist es Geduld zu haben, wenn nicht immer alles so klappt, wie man sich das wünscht. Man muss halt richtig viel üben.
Und gibt es andere Künstler die Sie beeinflußt haben oder die Sie immer noch beeinflussen?
A.T.: Wenn ich einen speziellen nennen müßte, was wirklich schwierig ist, dann würde ich sagen Hayao Miyazaki . Im Prinzip beeinflußt mich alles, was ich lese, in irgendeiner Weise.
Hayao Miyazaki hat viele große Werke geschaffen, haben sie einen Lieblingsmanga oder -anime von ihm?
A.T.: Das ist schwer, weil er ja, wie gesagt, viele tolle Werke geschaffen hat. Nausicaä mag ich sehr gern.
Ihr Stil hat sich von Kamikaze Kaito Jeanne über Fullmoon wo sagashite zu Shinshi Doumei Cross stark verändert. Wie kommt das?
A.T.: ( lacht ) Das ist mir gar nicht so sehr bewußt, daß es so große Unterschiede gibt. Bei SDC liegt das wohl daran, daß es so viele unterschiedliche Charaktere gibt und ich viel Raum zum Experimentieren habe. Es kann aber auch genauso gut sein, daß sich der Stil wieder zurück entwickelt, wenn das gewünscht wird.
Viele Ihrer Manga sind bereits als Anime umgesetzt worden: Inwieweit haben sie Einfluß auf diese Umsetzungen?
A.T.: Meine Einflüsse auf diese Umsetzungen sind eigentlich sehr gering. Ich kann immer meine Wünsche äußern, aber letztendlich tragen der Regisseur und die Trickzeichner die Entscheidung.
Herr Ohashi , gibt es Pläne zu einem Shinshi Doumei Cross -Anime?
I.O.: Zumindest gibt es im Moment erste Gespräche in dieser Richtung.
Frau Tanemura , haben Sie einen Lieblingsmanga bzw. eine Lieblingsfigur unter Ihren eigenen Werken?
A.T.: Ich mag eigentlich immer den Manga am liebsten, an dem ich gerade zeichne. Dementsprechend mag ich natürlich Haine aus SDC am liebsten.
Wie sieht ihr Alltag aus und mit wie vielen Assistenten arbeiten Sie zusammen?
A.T.: Das kommt ganz drauf an, ob ich gerade an einem Manga oder an Illustrationen arbeite. Generell ist es aber meist so, daß ich ca. 5 Stunden am Tag schlafe, eine halbe Stunde zum Essen brauche und die restliche Zeit mit Zeichnen verbringe. Im Schnitt arbeite ich dabei mit 7 Assistenten zusammen.
Wie treffen Sie die Entscheidung, ob eine Geschichte länger oder kürzer umgesetzt wird?
A.T.: Längere Geschichten werden im Vorhinein schon als solche geplant. Dabei wird man natürlich stark vom Magazin beeinflußt, da die Redakteure dort das ganze ja auch mitplanen müssen. Auch muß aus technischen Gründen darauf geachtet werden, bis wann der Manga fertig ist, wenn ein Anime dazu produziert wird.
Und gibt es viele unterschiedliche Vorgehensweisen, wenn Sie eine lange oder kurze Geschichte zeichnen?
A.T.: Nein, da ich dem Magazin monatlich eine bestimmte Seitenanzahl abgeben muss, gibt es da keinerlei Unterschiede.
Wie ist das Gefühl für Sie, zu wissen, daß man auch in Deutschland ihre Werke veröffentlicht und daß Sie hier eine große Fangemeinde haben?
A.T.: Ich denke, Deutschland und Japan sind sich sehr ähnlich. Ich glaube, daß man mich deswegen hier so mag. Ich finde es rührend, wie viel Fanpost ich aus Deutschland bekomme und ich freue mich immer wahnsinnig darüber. Deswegen ist es für mich auch sehr "fassbar", daß ich hier viele Fans habe. Ich freue mich deswegen auch wahnsinnig, diese Fans endlich zu treffen. ( Anm.: Die Pressekonferenz fand unmittelbar vor der ersten Signierstunde statt ).
Wie gefällt Ihnen Deutschland bis jetzt?
A.T.: Da ich das erste Mal überhaupt in Europa bin, ist das alles relativ neu für mich. Da ich bisher vor allem hier auf der Messe war, habe ich leidet noch nicht all zu viel sehen können, aber die Gebäude, die ich bis jetzt gesehen habe, sind toll.
Sie sagten, daß Deutschland und Japan sich recht ähnlich sind. Wie sieht es im Hinblick auf die Fußball-WM mit der Fußballbegeisterung der Japaner aus? Und wer wird ihrer Meinung nach Weltmeister?
A.T.: Ja, während der WM sind auch viele Japaner auf einmal fußballbegeistert, die sich normalerweise nicht dafür interessieren. Aber Japan ist ja auch schon sehr fußballbegeistert. Einen Weltmeistertipp möchte ich jetzt noch nicht abgeben, dazu muß ich erst einige Spiele sehen.